Innenstadtentwicklung "Ulrich- Areal"

      Innenstadtentwicklung "Ulrich- Areal"

      Schwalm- Eder- Kreis

      Stadt Homberg (Efze)

      Geplantes Einkaufszentrum "Drehscheibe"

      Bestand:

      Die Bebauung der Kasseler- und der Ziegenhainer Straße als historische Stadterweiterung aus der Zeit zwischen 1871 und 1914 ist geprägt von zeittypischen, großzügigen Villen als Solitärbauten mit stark gegliederten Fassaden und abwechslungsreichen Dachlandschaften. Die zugehörigen Vorgärten und großzügigen parkähnlichen Gärten sind nur bei einigen wenigen Villen erhalten. Den größten Baukörper jener Epoche stellt das ehemalige Lehrerseminar von 1887, die heutige Bundespräsident- Theodor- Heuß- Schule dar. Der voluminöse Backsteinbau mit (ehemals abgestuften) Steilgiebeln, Spitzbogenfenstern und einem Rosettenfenster im Mittelrisalit weist die baulichen Merkmale der Neugotik auf.

      Bauliche und damit auch gestalterische Veränderung erfuhr der Bereich in der 2. H. d. 20. Jh. , weitgehend in den 1980er Jahren, durch Bankgebäude, ein Kaufhaus, Autohaus und Spielhalle.

      Planung:

      Die Verdichtung der Bebauung im Bereich der oberen Kasseler- und Ziegenhainer Straße bis hin zu geschlossener Bebauung ist auf ihre gestalterische Wirkung hin zu überdenken, nach heutigem Planungsstand erscheinen die zu erhaltenden Villen wie Einsprengsel. Durch geschickte Linienführung, individuelle und gegliederte Gestaltung kann der Charakter des Quartiers erhalten bleiben, ohne sich anzubiedern.

      Die Steilgiebelform des ehemaligen Lehrerseminars unreflektiert aufzunehmen und funktionslos additiv aneinanderzureihen, erzeugt die optische Wirkung eines Kartenhauses. Insbesondere die Ecklösung- in der Architektur von besonderem Gewicht- ist hier ausgesprochen dilettantisch und lieblos behandelt. Mit zeitgemäßer vermittelnder Gestaltung hat das nichts zu tun.

      Bautechnik:

      Aus der geplanten Dachlandschaft resultieren Dachkehlen und hier besonders zahlreiche "Lagerkehlen", in denen sich große Mengen Regenwasser (Schnee/ Eis) ansammeln. Bautechnisch und handwerklich ist dieses Problem durchaus lösbar, erfordert allerdings hohen Aufwand insbesondere in der Bauunterhaltung/ Wartung. Bauschäden sind an diesen Stellen bereits jetzt vorprogrammiert, die durch "vernünftige" Planung vermeidbar wären

      Verkehr:

      Im Lebensumfeld der Planer (Raum Frankfurt und Kassel) mögen Verkehrsstaus und Schwerlastverkehr zur alltäglichen Erfahrungswelt gehören, die Lebensqualität in Homberg (Efze) ist aber gerade durch das weitgehende fehlen solcher Belastungen gekennzeichnet. Das soll auch so bleiben!

      Demnach ist auszuschließen, dass der zusätzliche Verkehr, besonders der Anlieferverkehr durch die obere Kasseler- und Ziegenhainer Straße geleitet wird!

      Das Gelände bietet die Chance, den Schwerlastverkehr von der Peripherie auf die Westseite des geplanten EKZ hin- und dort auch wieder zurück zu führen. Die derzeitige Verkehrsplanung sieht vor, die Anlieferung durch den Bindeweg zu führen. Dies gilt es, erforderlichenfalls durch höchstrichterlichen Beschluss, zu verhindern, da es sich hier um den Schulweg handelt. Lösungsvorschlag: Es werden mit Zahnarzt Dr. Ritz Verhandlungen aufgenommen, die Spitze seines Grundstücks im Mündungsbereich Kasseler Straße- Stellbergsweg zu veräußern (für die an dieser Stelle wegfallende Kastanie pflanze ich gemeinsam mit ihm drei neue Bäume an anderer Stelle). Nun wäre Platz für einen Kreisel, der die gleichrangige Anbindung der Straßen aus/nach Mardorf und Mühlhausen ermöglicht. Der Anliefer- und Publikumsverkehr wird hier auf die Westseite des EKZ geführt (Die Anlieferzone lt. Plan brauchte nur um 90° im Uhrzeigersinn gedreht werden).

      Nutzung:

      Die Intention des Projektentwicklers ist nachvollziehbar und eindeutig: möglichst viel m2 Verkaufsfläche zu erzeugen, denn nur die bringt den Ertrag bei Verkauf des EKZ. Eine dem tatsächlichen Bedarf anpassbare Gestaltung eines EKZ durch Modul- artige Baukörper, die auf- , aber auch wieder abgebaut und an anderer Stelle weitergenutzt werden können (sowohl Stahl- als auch Holzbauweise oder die Kombination beider wären hier geeignet), sollte ergebnisoffen diskutiert werden! Bedarf besteht nicht nur an Verkaufsfläche für den Lebensmittel- Vollsortimenter, sondern auch an Räumlichkeiten für die Musikschule in Nähe der Schulen, die an dieser Stelle integriert werden könnten! Nicht nur Schüler und Lehrer würden es danken, sondern vermutlich auch die Anwohner der Pfarrstraße.

      Baustelleneinrichtung:

      Eine besondere Herausforderung stellt die mindestens 12- monatige Bauphase für alle Beteiligten dar. Es ist mit erheblichen Belastungen durch Bau- Liefer- und Handwerkerfahrzeuge zu rechnen. Die geplante Abwicklung und Logistik der Baustelle sollte im Vorfeld veröffentlicht werden. Eine Gefährdung der Fußgänger im Bereich des Schulweges ist unbedingt auszuschließen!

      Homberg (Efze), Oktober 2015

      Michael Ochsler